Irgendwann kennt man die Abende in Reinbek auswendig. Das eine Lokal, die eine Serie, die immer gleiche Runde. Nicht schlecht - aber auch nicht das, worauf man sich den ganzen Tag freut. Wenn Sie das kennen, sind Sie hier richtig. Denn es gibt in Reinbek einen Abend, der sich anders anfühlt.
Der Abend, für den man erst unter die Erde muss
Ein paar Minuten billeabwärts, in einem Gewölbe von 1863.
Die Bille verbindet mehr, als man ihr ansieht. Sie staut sich in Reinbek zum Mühlenteich, macht ein Stück weiter westlich in Bergedorf eine weite Schleife - und genau in diese Schleife bauten 1863 neun Brauer eine Brauerei. Von ihr steht nichts mehr. Was blieb, liegt unter der Erde, und dort findet donnerstags ein Abend statt, für den es in der Gegend kein Gegenstück gibt.
Was hier oben stand, gibt es nicht mehr
Die Bergedorfer Actien-Brauerei entstand auf einem bis dahin unbebauten Streifen zwischen der gerade fertiggestellten Bahnlinie nach Berlin und der Bille. Was daraus wurde, sprengte den lokalen Maßstab: 1887 braute das Unternehmen 38.758 Hektoliter, während die vier alteingesessenen Bergedorfer Brauereien zusammen auf 6.455 kamen. Das Bier ging bis nach Westafrika; in Nigeria wird Bergedorfer Bier bis heute in Lizenz gebraut.
1914 kaufte Holsten das Werk und stellte den Braubetrieb kurz darauf ein. 1965 brannte die Anlage nieder - vollständig, bis auf das, was unter der Erde lag. 1984 entstanden Wohnblöcke über dem Gelände. Geblieben ist außer dem Keller nur ein Straßenname, und selbst der nicht mehr: Die Chrysanderstraße hieß früher Brauerstraße.
Was unten geblieben ist
Das zweigeschossige Ziegelgewölbe umfasste rund 5.000 Quadratmeter. Der überwiegende Teil der Gänge ist bis heute nahezu im Originalzustand. Was daraus geworden ist, klingt zunächst unspektakulär: Garagen, Lagerräume, Trockenräume - und ein Vereinslokal.
Dieses Vereinslokal ist die Hubertus-Burg. Ein Kellergewölbe, in dem einmal Bier lagerte, in dem heute aber jeden Donnerstag Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen werden. Man muss das nicht symbolisch überhöhen. Es ist einfach ein sehr guter Raum dafür: kühl, still, ohne Fenster zur Straße und ohne jedes Draußen.
Was donnerstags dort passiert
Die Burg öffnet um 18.30 Uhr, die Sippung beginnt um 19.30 Uhr - schlaraffisch: Glock 7 und 30 Uhuglöckchen des Abends. Die Stunde dazwischen ist Absicht; sie gehört dem Ankommen.
Danach hat der Abend einen Ablauf, aber kein Programm im Sinne einer Veranstaltung. Jemand trägt etwas Selbstgeschriebenes vor. Jemand macht Musik. Jemand hält einen Vortrag über ein Thema, das ihn seit Jahren umtreibt, und wird zweimal von einer guten Pointe unterbrochen. Was einer beruflich macht, kommt oft monatelang nicht zur Sprache.
Als Gast dabei sein
Der Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Aus Reinbek sind es mit der S-Bahn wenige Minuten bis Bergedorf, von dort fährt die Buslinie 135 bis zur Hermann-Distel-Straße. Danach über die Fußgängerbrücke, die die Bahn überspannt, rechts die Treppen hinunter bis zum ersten Absatz und etwa fünfzig Meter nach links bis zur Burgpforte. Ein Treppenlift ist vorhanden.
Sagen Sie vorher kurz Bescheid, dann wartet jemand an der Pforte - was hilfreich ist, weil man diesen Eingang nicht zufällig findet.
🦉 Und wie heißt das Ganze? Der Abend hat einen Namen: Schlaraffia - ein 1859 in Prag gegründeter Bund von Männern, die Humor, Kunst und Freundschaft pflegen. Das hiesige Reych heißt Im Sachsenwald, trägt die Nummer 389 und feierte am 17. Oktober 2026 sein fünfzigjähriges Bestehen - ein junger Verein, gemessen an seinem Keller.
Ein Abend, an dem der Alltag draußen bleibt
Stellen Sie sich einen Kreis von Männern vor, die sich regelmäßig treffen - nicht um zu reden, wer welchen Wagen fährt, sondern um gemeinsam zu lachen, zuzuhören und ein paar Stunden lang den Ernst des Lebens abzulegen. Kein Handy auf dem Tisch, kein Termindruck, kein Konkurrenzdenken. Stattdessen: ein Gedicht, ein Lied, eine kluge Pointe, ein gutes Gespräch.
Was hier zählt, ist nicht der Beruf und nicht der Kontostand. Ein Handwerker sitzt neben einem Arzt, ein Lehrer neben einem Unternehmer - und nach einer Stunde merkt niemand mehr, wer was „im richtigen Leben" macht. Genau das macht diese Abende so wohltuend anders.
Warum das gerade heute guttut
Vieles in unserer Freizeit ist inzwischen still, allein und vor einem Bildschirm. Man konsumiert, statt teilzunehmen. Ein Abend in echter Gesellschaft - mit Menschen, die einem zuhören und die man wiedersieht - ist dagegen fast ein Luxus geworden. Es ist die Art von Freizeit, die abends nicht müde, sondern reicher macht.
Und das Schöne: Man muss nichts können und nichts mitbringen. Wer mag, trägt selbst etwas bei - wer lieber zuhört, hört zu. Beides ist willkommen.
Was Sie an einem solchen Abend erwartet
Man kommt an, wird herzlich begrüßt und muss sich um nichts kümmern. Der Abend hat einen lockeren roten Faden: mal trägt jemand ein Gedicht vor, mal erklingt Musik, mal wird herzhaft über eine gute Pointe gelacht. Dazwischen bleibt viel Raum für Gespräche - die Art von Gesprächen, die man am nächsten Tag noch im Kopf hat. Niemand drängt, niemand prüft, niemand will Ihnen etwas verkaufen.
Als Gast sind Sie eingeladen, einfach dabei zu sein. Viele beschreiben es hinterher mit demselben Satz: „So einen Abend hatte ich lange nicht mehr." Und genau darum geht es - um Stunden, die aus der Reihe fallen, im besten Sinne.
🦉 Und wie heißt das Ganze? Dieser Abend hat einen Namen: Schlaraffia - ein weltweiter Bund von Männern, die Humor, Kunst und Freundschaft pflegen. In Reinbek gibt es dafür einen eigenen Kreis, der sich regelmäßig trifft.
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