Reinbek lebt mit Hamburg im Rücken und dem Sachsenwald vor der Tür. Die S-Bahn bringt einen in einer knappen halben Stunde in die Innenstadt – und abends wieder zurück. Viele merken mit den Jahren, dass genau das die Kehrseite hat: Die Arbeit ist in der Stadt, die Kollegen sind in der Stadt, und was hier bleibt, ist ein Ort zum Schlafen.
Das Problem ist nicht der erste Abend
Es liegt selten daran, dass man niemanden kennenlernt. Man unterhält sich gut, findet einander sympathisch, tauscht Nummern – und dann schreibt keiner. Nicht aus Desinteresse, sondern weil beide einen vollen Kalender haben und niemand dem anderen den ersten Schritt schuldet. Was fehlt, ist kein netter Abend. Was fehlt, ist ein Termin, den niemand organisieren muss.
Warum eine Stunde vor Beginn geöffnet wird
An der Chrysanderstraße in Bergedorf ist dieser Termin der Donnerstag. Die Sippung beginnt um 19.30 Uhr, die Burg öffnet aber schon um 18.30 Uhr. Diese Stunde ist keine Verlegenheitslösung, sondern der eigentliche Grund, warum man sich hier näherkommt: Sie gehört dem Ankommen, dem Hinsetzen, dem Reden über nichts Bestimmtes.
Wer regelmäßig kommt, kennt nach ein paar Wochen zwanzig Namen – nicht weil er sich vorgestellt hat, sondern weil er wiedergekommen ist.
Was der Abend ist
Ein Gewölbekeller ohne Fenster zur Straße, in dem einmal Bier lagerte – der Rest der Bergedorfer Actien-Brauerei, die 1965 abbrannte. Darin: Gedichte, Musik, Vorträge, viel Gelächter und lange Gespräche. Wer etwas beitragen will, trägt bei; wer lieber zuhört, hört zu. Beides zählt gleich viel, und niemand führt darüber Buch.
Was er nicht ist
Keine Vorstellungsrunde, kein Namensschild, keine Frage nach dem Beruf. Kein Netzwerken, kein Kurs, keine Selbsterfahrung. Niemand prüft Sie, niemand verkauft Ihnen etwas, und niemand erwartet nach dem ersten Abend eine Entscheidung.
Der erste Donnerstag
Von Reinbek aus sind es mit der S-Bahn wenige Minuten bis Bergedorf, von dort die Buslinie 135 bis zur Hermann-Distel-Straße. Dann über die Fußgängerbrücke, die Treppen hinunter und etwa fünfzig Meter nach links – ein Treppenlift ist vorhanden. Sagen Sie vorher kurz Bescheid, dann wartet jemand an der Pforte.
Der Besuch ist kostenlos und unverbindlich. Und falls es nichts für Sie ist, haben Sie immerhin einen Ort gesehen, an dem die meisten schon hundertmal vorbeigefahren sind, ohne ihn zu bemerken.
🦉 Dieser Abend heißt Schlaraffia – ein 1859 in Prag gegründeter Bund für Humor, Kunst und Freundschaft. Das Reych vor Ort heißt Im Sachsenwald und trägt die Nummer 389.
Machen Sie den ersten Schritt
Kommen Sie als Gast vorbei – kostenlos, unverbindlich und ohne jede Verpflichtung.