Im Sachsenwald — Schlaraffia in Reinbek

Im Sachsenwald (389)

Reych Nr. 389 · Reychsfarben Grün und Gold · Gründungstag ist der 13. im Windmond a. U. 117 – der 13. November · Mutterreych ist Lubeca in Lübeck (Nr. 57) · Burg ist die Hubertusburg in Hamburg-Bergedorf.

🦉 Kurz vorweg: Schlaraffen pflegen eine eigene, verspielte Sprache. Ein Reych ist eine örtliche Gemeinschaft – vergleichbar mit einem Ortsverein. Die Burg ist unser Vereinsraum, eine Sippung der gemeinsame Abend. Und die Jahreszahlen zählen wir seit der Gründung der Schlaraffia 1859: a. U. heißt „anno Uhui“, im Jahre des Uhus. Am Ende dieser Seite finden Sie ein kleines Wörterbuch mit allen Begriffen, die auf dieser Seite vorkommen.

Zwei Orte, ein Reych

Wer dieses Reych sucht, findet zwei Namen. Das Sprengelverzeichnis der Schlaraffia im Norden führt es unter Reinbek, mit der Anschrift der Burg und dem Zusatz „b. Hamburg“. Die Burg selbst steht in Hamburg-Bergedorf, in der Chrysanderstraße 142/144. Der Verein ist im Vereinsregister des Amtsgerichts Lübeck eingetragen, also in Schleswig-Holstein.

Ein Widerspruch ist das nicht. Gegründet wurde das Reych in Reinbek, und der Sachsenwald, der ihm den Namen gab, beginnt östlich von Reinbek. Bergedorf und Reinbek liegen an derselben Bille, wenige Kilometer voneinander entfernt, getrennt nur durch eine Landesgrenze, die das Reych nie interessiert hat. Wer die Gegend kennt, weiß, dass der Sachsenwald beides umfasst.

Wo das Reych in seinen ersten Jahrungen gesippt hat und wann es nach Bergedorf kam, sagen die vorliegenden Unterlagen nicht. Diese Seite nennt deshalb beide Orte und erklärt sie – statt sich für einen zu entscheiden, für den der Beleg fehlt.

Ein Wald, der einem Kanzler geschenkt wurde

Der Sachsenwald ist mit knapp 70 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Waldgebiet Schleswig-Holsteins, ein Rest des Urwaldes aus Eichen und Buchen, der einst von der Ostsee bis nach Niedersachsen reichte. Um sein Eigentum wurde schon im Mittelalter gestritten: Mit dem Vertrag von Perleberg fiel 1420 die Hälfte der Nutzungen an die Hansestädte Hamburg und Lübeck, die diesen Anteil zusammen mit Geesthacht und den Vierlanden von ihrem beiderstädtischen Amtssitz Bergedorf aus verwalteten. Das Bergedorfer Schloss, das einzige erhaltene Schloss im Hamburger Stadtgebiet, war der Sitz dieser Verwaltung; das Kondominium endete erst 1868, als Hamburg den Lübecker Anteil aufkaufte.

Am 24. Juni 1871 schenkte Kaiser Wilhelm I. den Sachsenwald Otto von Bismarck – zur Anerkennung seiner Verdienste um die Reichsgründung. Bismarck zog nach Friedrichsruh mitten in den Wald, und überwiegend gehört der Wald bis heute seinen Nachfahren. Am 1. Januar 2026 wurde das gemeindefreie Gebiet Sachsenwald aufgelöst; der größte Teil ging an die Gemeinde Aumühle.

Drei Schlaraffen aus benachbarten Reychen fanden diesen Wald gut genug für ein Uhunest.

Wie alles begann

Den Flecken Reinbek an der großen Billeschleife wussten Menschen früh zu schätzen: Vorgeschichtliche Hügelgräber liegen in der Gegend, urkundlich erwähnt wird Reinbek erstmals 1238. Nicht anders erging es in der Neuzeit drei Schlaraffen aus benachbarten Gemeinschaften, unter ihnen die Ritter Astronaut und Stil-Auge. Vor den östlichen Toren Hamburgs, an den westlichen Ausläufern des Sachsenwaldes, wollten sie dem Uhu ein Nest bauen – also eine neue schlaraffische Gemeinschaft gründen.

„Es tut sich was im Sachsenwald“, sprach sich herum. Und das Lübecker Reych Lubeca, damals stolze neunzig Jahrungen alt, sah der Gründung seiner zweiten Tochter entgegen. Die Lubeca wurde a. U. 24 gegründet; ihre Festschrift zum 125. Jahr nennt Alta Ripa (73) und Im Sachsenwald (389) als ihre Töchter.

Vom Stammtisch zum Reych – eine Gründung in Stufen

Sie ging nicht an einem Abend vor sich. Am Anfang stand ein Stammtisch: Der Sachsenwald-Stammtisch wurde a. U. 114 gegründet, und im selben Jahr entstand das Feldlager – die lockerste Form schlaraffischen Zusammenkommens, betrieben unter anderem von Ritter Stil-Auge gemeinsam mit Ritter Astronaut und einem dritten Gründungsritter.

Dann ging es Schritt für Schritt. Am 13. im Windmond a. U. 117 – Windmond ist der November – erteilte der Allschlaraffenrat dem Feldlager im Sachsenwald die Gründungsbewilligung. Im Wonnemond a. U. 118 (Wonnemond ist der Mai) erblickte die Coloney „Im Sachsenwald“ das Licht der Welt; am 14. Wonnemond 1977 gab die Lubeca ihr die schlaraffischen Weihen, und die neuen Ritter leisteten vor dem Thron den Schwur. Der Allschlaraffenrat verfügte darauf die Sanktion und die Ausfolgung der Sanktionsbulle; als Sanktionstermin verfolgte die Colonie den 21. im Ostermond a. U. 120 (Ostermond ist der April), und die Ladungen dazu wiesen auf die Festhalle im Hamburger Messegelände. Erhoben zum Reych wurde „Im Sachsenwald“ (389) gemeinsam mit „Kaiserpfalz“ (390).

Gefeiert wird der 13. im Windmond, der Tag der Bewilligung. Am 13. November 2025 fiel darauf die 1400. Sippung des Reyches.

Ein offener Punkt zur Jahreszahl: Welches profane Jahr zum 13. Windmond a. U. 117 gehört, geben die Quellen unterschiedlich an. Die frühere Fassung dieser Seite nannte 1975; die Umrechnung 1859 + 117 und der Kalender der Deutschen Schlaraffen-Zeitung ergeben 1976, und das zehnjährige Bestehen wurde am 13. November 1986 in der 276. Sippung gefeiert. Solange das nicht im Reych geklärt ist, nennt diese Seite nur den schlaraffischen Tag.

Silva Saxorum – der erste Name

Zunächst nannte sich die junge Gemeinschaft Silva Saxorum, lateinisch für „Sachsenwald“. Sie entwickelte sich temperamentvoll und sorgte mit ihrer eigenwilligen Kopfbedeckung – einem grünen Jägerhut mit goldenem Federbusch – für einiges Aufsehen. Der Ungestüm wurde geordnet, die Tugenden blieben: Lebendigkeit, Frische und Witz. Genau dafür wurde das junge Reych rasch geschätzt. Später gab es sich den deutschen Namen „Im Sachsenwald“.

Ein Sommer auf der Baustelle

Die krönende Aufbauarbeit war der Bau der eigenen Burg – unseres Vereinsraums. Einen ganzen Sommer lang werkelten Mitglieder aller Stufen – vom Neuling bis zum Ritter – an jedem Wochenende bis zur völligen Erschöpfung, unter der Oberleitung unseres „Zar und Zimmermann“, des Ritters Astronaut. Speise und Trank reichten die Ehefrauen der Mitglieder, bei uns Burgfrauen genannt. Diese Zeit legte das Fundament für etwas, das sich nicht bauen lässt: Freundschaft.

Das Wappen

Aus Verbundenheit mit dem noch jungen Reych entwarf ein Ritter aus dem Reych Oldenburgia unser Wappen. Es schmückt seither in voller Pracht den Hintergrund unseres Thrones – des erhöhten Platzes, von dem aus der Abend geleitet wird.

Der Marconigraph – ein Wunderwerk seiner Zeit

Unsere Burg wurde darüber hinaus ein Dorado für Tüftler und Baumeister. Neben der „Hubertusburg“ selbst entstand ein technisches Wunderwerk: der Marconigraph, benannt nach seinem Erbauer, Ritter Marconi. Eine vollelektronische Ruf- und Bestellanlage für die Bewirtung – damals wohl einmalig im ganzen Bund.

Die Hubertusburg – eine Burg, in der einmal Bier lag

Die Burg liegt im Geesthang über einer Schleife der Bille, in der Chrysanderstraße. Man erreicht sie über eine Fußgängerbrücke, dann rechts die Treppen hinunter, dann links etwa fünfzig Meter – Gewölbe also, kein Vereinszimmer über der Gaststube. Ein Treppenlift ist vorhanden.

Was an dieser Adresse vorher war, ist gut dokumentiert. 1863 entstand auf einem bis dahin unbebauten Gelände zwischen der gerade fertiggestellten Bahnlinie Hamburg–Berlin und der Bille die Actien-Bier-Brauerei zu Bergedorf. Die Nähe zum Fluss war der Grund: Das Wasser der Bille galt als zum Bierbrauen sehr geeignet, und im Winter wurde aus drei angelegten Brauereiteichen Eis geschnitten und in den Gewölben eingelagert – leistungsfähige Kühlmaschinen gab es erst um 1900. 1874 übernahm die Vereinsbrauerei der Hamburg-Altonaer Gastwirte den Betrieb und braute das „Bergedorf Lager Beer“, das zwischen 1880 und 1888 Preise in Melbourne, Caracas, Amsterdam, London und Barcelona holte. 1914 kaufte die Holsten-Brauerei die Konkurrenz und stellte die Produktion still; 1965 brannten die Brauereigebäude ab, 1984 entstanden über der Anlage Wohnhäuser. Erhalten blieben die Teiche an der Bille und der Eiskeller.

Das Reych trägt dem Rechnung: Seit dem Erntemond a. U. 160 – Erntemond ist der August – ist „Im Sachsenwald“ das VI. Quellreych des Uhuversums, und im Ausschank steht wieder Bergedorfer Bier. Quellreyche sind jene Reyche, die in ehemaligen Brauerei-Burgen sippen; Brunsviga in Braunschweig ist das elfte. Mehr zur Burg und zur Brauerei auf der eigenen Seite.

Wie die Burg zu ihrem Namen kam, ist nicht belegt. Naheliegend ist der heilige Hubertus, der Schutzpatron der Jäger – zum grünen Jägerhut mit goldenem Federbusch, zum Sachsenwald und zu den Parforcejagden, die einst vom Reinbeker Schloss aus in diesem Wald geritten wurden, passt er ohne Mühe.

Umzug in die „Notburg“

Bauarbeiten am alten Gebäude beeinträchtigten Anfang der 1980er Jahre die Abende so stark, dass die Mitglieder für einige Zeit in das Gutshaus „Karolinenhof“ umziehen mussten – eine reichlich übertrieben so genannte „Notburg“. Denn auch dieser Ausweichburg verliehen Ritter Astronaut und viele Mitglieder eine würdevolle Atmosphäre, in der sich der Uhu ausgesprochen wohl fühlte.

Ein Jagdschloss war der Karolinenhof übrigens nicht, auch wenn man es oft liest: Der Geschichts- und Museumsverein Reinbek beschreibt ihn als Gutsbetrieb, hervorgegangen aus der 1614 erstmals erwähnten Rheinischen Schäferei, 1797 von Baron Klingspor so benannt, 1936 von einem Industriebetrieb als werkseigenes Gästehaus gekauft und nach 1945 Offizierskasino der britischen Truppen. Das Reinbeker Jagdschloss ist Schloss Reinbek, zwischen 1572 und 1576 für Herzog Adolf I. errichtet.

Die Hubertusburg von heute

Wiederum unter der Führung von Ritter Astronaut, mit aufopferungsvoller Mitarbeit aller Mitglieder und der tatkräftigen Unterstützung vieler Freunde entstand unsere heutige Hubertusburg. Der Chroniktext des Reychsarchivs führt die Stufen so: Einrichtung in der Notburg a. U. 123, Beschluss zum Wiederaufbau gegen Ende a. U. 126, Ausbauarbeiten ab dem Wonnemond a. U. 127, Weihe im Ostermond a. U. 128. Die Einweihung feierten wir am 16. April 1987. Die frühere Fassung dieser Seite nennt 1983 als Baubeginn – dafür liegt uns kein Beleg vor; wer einen hat, möge sich melden.

25 Jahrungen „Im Sachsenwald“

Am 17. November 2000 begingen wir unser 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt – 400 Gäste füllten den großen Festsaal eines Hotels in Hamburg-Bergedorf. Der Chroniktext des Reychsarchivs nennt das 25. Stiftungsfest dagegen in der Jahrung a. U. 142; ob es zwei verschiedene Anlässe waren, ist nicht geklärt.

Ein Händel-Forscher und ein Musick-Vatter

Die Straße, in der die Burg steht, trägt den Namen des Musikwissenschaftlers Friedrich Chrysander (1826–1901). Er hatte seit 1866 seinen Wohnsitz in Bergedorf und starb dort; von den fünfundneunzig Bänden der ersten Händel-Gesamtausgabe hat er zweiundneunzig selbst fertiggestellt und überwiegend auch selbst gestochen.

Wenige hundert Meter entfernt, neben der Kirche St. Petri und Pauli, steht das Geburtshaus Johann Adolph Hasses, getauft am 25. März 1699 in Bergedorf, Sohn des dortigen Organisten. Hasse wurde königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Kapellmeister in Dresden, schrieb mehr als sechzig Opern und galt Charles Burney als der bedeutendste lebende Komponist seiner Zeit; Giovanni Battista Mancini nannte ihn den „Padre della musica“. Sein Geburtshaus ist das einzige erhaltene eines namhaften Hamburger Komponisten und beherbergt seit 1991 das Hasse-Archiv.

Am 23. im Eismond a. U. 155 – der Eismond ist der Januar – hat das Reych ihn zum Ehrenschlaraffen erkürt, mit dem Titul „Musick-Vatter“. In jeder Winterung steht seither eine ER-Musick-Vatter-Sippung in der Sippungsfolge. Damit holt das Reych den größten Sohn seiner Gegend in die eigenen Reihen – und behält ihn dort. Mehr über Hasse und das Reych auf der eigenen Seite.

Was die Jahrungen füllt

Gesippt wird donnerstags, Glock 7 und 30 Uhuglöckchen des Abends. Von den ursprünglich vier Turneys – so heißen die schlaraffischen Wettstreite in Kunst und Humor – nennt der Chroniktext drei, die bestanden haben: das Turney um den Goldenen Keiler, die Goldene Bootsmannspfeife und das Minneturney. Die laufende Sippungsfolge führt Keilerturney und Minnesangturney – und dazu ein Turney um die Goldene Trompete, das zu den Reychsbläsern passt: Die Gruppe hatte ihren ersten Ansatz a. U. 127 und wuchs beim zweiten Anlauf auf fünf Bläser; im nordischen Sprengel hat sie Klang und Namen.

Die Junkertafel hat dem Reych seinen größten Turneysieg eingetragen. Am 1. im Ostermond a. U. 134 gewann sie im Reych Gamundia unter ihrem damaligen Junkermeister das Turney um den Firlefanz-Humpen gegen die Junkertafel der Scardinga und trug zwei Jahrungen den Titul „beste Junkertafel des Uhuversums“, bis sie ihn in den Gemarkungen der Ravensbergia an die Berolina abtreten musste. Aus beiden Turneys entstanden Freundschaften, die halten. Am 21. im Eismond a. U. 157, in der 1128. Sippung, hat sich die ehemals beste Junkertafel des Uhuversums an diesen Tag erinnert.

Freundschaft ist auf dieser Burg keine Redensart. A. U. 122 eröffnete ein Erzschlaraffe im Rahmen einer Sippung dieses Reyches den 5. Convent „Derer Erzschlaraffen“. Zum Winterungsbeginn 1994 weihte die Colonie Suerina ihre neue Burg und feierte mit den Neuner-Reychen – Auf der Heide (369), Im Sachsenwald (389), Ante Portas Mundi (339) und die Gastgeberin Suerina (79) selbst. 2005 ritt die Augusta Vindelicorum mit 59 Sassen und Burgfrauen zu den Reychen Lubeca, Im Sachsenwald und Suerina. Und das Reych reitet selbst: Der gewaltige Einritt zum 25. Stiftungsfest umfasste mehr als das Zehnfache der eigenen Sassenschaft, alle drei Gründungsritter und neun Erzschlaraffen waren dabei. Ein Höhepunkt anderer Art war a. U. 146 das Konzert des Allschlaraffischen Sinfonieorchesters in den Gemarkungen.

Ein Wort hat dieses Reych dem Uhuversum geschenkt: Ritter Esilva schlug kurz vor seinem Ahalla-Ritt die schlaraffische Bezeichnung „Aerocimbel“ für Akkordeon und Bandoneon vor.

Und heute?

Bis heute erklingt donnerstags in der Hubertusburg, nach Trommelschlag und Fanfare, der Ruf, der alles sagt:

Ein Ruf durchs Uhuversum schallt, es ist so schön „Im Sachsenwald“!

Kleines Wörterbuch

Wer sich durch die schlaraffischen Begriffe dieser Seite lesen möchte – hier die Übersetzung:

  • a. U. – „anno Uhui“, unsere Zeitrechnung seit der Gründung der Schlaraffia 1859. Ein schlaraffisches Jahr beginnt im Oktober.
  • Ahalla – das schlaraffische Jenseits; wer stirbt, reitet zur Ahalla.
  • Allschlaraffenrat – das oberste Organ des Bundes, das über Gründungen und Sanktionen entscheidet.
  • Burg – der Versammlungsraum eines Reyches, liebevoll ausgestaltet.
  • Burgfrauen – die Ehefrauen und Partnerinnen der Mitglieder.
  • Coloney (auch Colonie) – die Vorstufe zum Reych, noch unter der Obhut des Mutterreyches.
  • Ehrenschlaraffe – eine Ehrung für Persönlichkeiten, die dem Reych nahestehen; sie kann auch lange Verstorbene treffen.
  • Einritt – der Besuch eines Sassen in einem anderen Reych.
  • Eismond, Windmond, Wonnemond, Ostermond, Erntemond – Januar, November, Mai, April, August.
  • Erzschlaraffe – ein Sasse, dem der Bund seine höchste Würde verliehen hat.
  • Feldlager – die lockerste Form schlaraffischen Zusammenkommens, oft der Anfang eines neuen Reyches.
  • Jahrung / Winterung – das schlaraffische Jahr; die Winterung ist die Sippungszeit von Oktober bis April.
  • Junker, Knappe, Ritter – die Stufen, die ein Mitglied im Lauf der Zeit durchläuft; der Ritter ist die höchste.
  • Junkertafel – die Gemeinschaft der Junker eines Reyches.
  • Reych – eine örtliche schlaraffische Gemeinschaft, vergleichbar einem Ortsverein. Jedes Reych hat eine Nummer; unsere ist die 389.
  • Sanktion – die Anerkennung einer Colonie als vollwertiges Reych.
  • Sassen / Sassenschaft – die Mitglieder eines Reyches.
  • Sippung – der gemeinsame Abend, bei uns donnerstags.
  • Thron – der erhöhte Platz, von dem aus der Abend geleitet wird.
  • Titul – ein schlaraffischer Ehrenname oder Amtsname.
  • Turney – ein Wettstreit in Kunst, Dichtung, Musik oder Humor.
  • Uhu – unser Wappentier und Sinnbild der Weisheit und des Humors.
  • Uhuversum – die Gesamtheit aller Reyche weltweit.

Die geschichtlichen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung; die Angaben zu Wald, Stadt und Brauerei stammen aus öffentlich zugänglichen Darstellungen zu Sachsenwald, Bergedorf und Reinbek. Vier Punkte sind ausdrücklich offen und stehen deshalb hier: das profane Jahr des Gründungstages (1975 oder 1976 – siehe oben), das Verhältnis der Feier vom 17. November 2000 zum 25. Stiftungsfest der Jahrung a. U. 142, das Jahr des Baubeginns der heutigen Burg, und die Datierung des Turneys um den Firlefanz-Humpen, die der Kalender der Deutschen Schlaraffen-Zeitung auf a. U. 134, der Chroniktext auf a. U. 136 legt; diese Seite folgt dem Kalenderbeleg. Ob und welchen eigenen Einrittorden das Reych führt, ist hier bewusst nicht dargestellt, weil die vorliegenden Angaben dazu erkennbar zu anderen Reychen gehören. Wer Unterlagen zu einem dieser Punkte beitragen kann, möge sich bitte melden.


Geschichte der Schlaraffia

Historische Aufnahme einer Schlaraffia-Sippung

🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.

Die Wiege: Prag, 1859

Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.

Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.

Das Spiel breitet sich aus

Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.

New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.

Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte

Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.

Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.

Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss

Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.

Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.

Teil unserer Geschichte werden?

Schreiben Sie das nächste Kapitel mit. Ein unverbindlicher Besuch genügt.

Stand dieser Seite: