Der Musick-Vatter

Wenige hundert Meter von der Burg des Reyches „Im Sachsenwald“ entfernt, neben der Kirche St. Petri und Pauli in Hamburg-Bergedorf, steht das Geburtshaus eines Mannes, der im 18. Jahrhundert in ganz Europa als der bedeutendste Komponist seiner Zeit galt: Johann Adolph Hasse. Das Reych hat ihn zu seinem Ehrenschlaraffen erkürt und ihm den Titul „Musick-Vatter“ gegeben – mehr als dreihundert Jahrungen nach seiner Taufe.

Ein Organistensohn aus Bergedorf

Getauft wurde Hasse am 25. März 1699 in Bergedorf. Sein Vater war Organist an St. Petri und Pauli, und die Musik lag in der Familie über Generationen: Hasse war Urenkel eines Schülers des großen Amsterdamer Organisten Jan Pieterszoon Sweelinck. Das Geburtshaus steht noch; es ist das einzige erhaltene Geburtshaus eines namhaften Hamburger Komponisten und beherbergt seit 1991 das Hasse-Archiv.

Hamburg, Braunschweig, Neapel

Seinen Weg begann Hasse als Sänger und Musiker in Hamburg, dann in Braunschweig, wo seine erste Oper zur Aufführung kam. Anfang der 1720er Jahre ging er nach Italien – nach Neapel, in die damalige Hauptstadt der Oper. Dort setzte er sich durch, und dort begann der Ruf, der ihn nach Norden zurückholen sollte.

Faustina und Dresden

1730 heiratete Hasse die Sängerin Faustina Bordoni, einen der großen Namen der europäischen Opernbühne. Ein Jahr später, 1731, traten beide in den Dienst des sächsischen Hofes: Hasse als königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Kapellmeister in Dresden, Faustina als Primadonna. Rund drei Jahrzehnte lang hat er die Dresdner Hofmusik geprägt und mehr als sechzig Opern geschrieben, dazu Messen, Oratorien und Instrumentalwerke.

Die späten Jahre führten ihn nach Wien und schließlich nach Venedig, wo er am 16. Dezember 1783 starb.

Was die Zeitgenossen sagten

Das Urteil seiner Zeit war eindeutig. Der englische Musikschriftsteller Charles Burney, der halb Europa bereiste, um Komponisten zu hören, hielt Hasse für den bedeutendsten lebenden Komponisten. Der Gesangslehrer Giovanni Battista Mancini nannte ihn den „Padre della musica“ – den Vater der Musik.

Aus diesem Wort ist der schlaraffische Titul geworden.

Die Erkürung zum Ehrenschlaraffen

Am 23. im Eismond a. U. 155 – der Eismond ist der Januar – hat das Reych „Im Sachsenwald“ Johann Adolph Hasse zum Ehrenschlaraffen erkürt, mit dem Titul „Musick-Vatter“. Eine Ehrenschlaraffenwürde ist keine Mitgliedschaft, sondern eine Auszeichnung; sie kann auch lange Verstorbene treffen, und sie sagt mehr über das Reych als über den Geehrten: Sie zeigt, in welche Gesellschaft es sich stellen möchte.

Seither bleibt der Titul in Gebrauch. In jeder Winterung steht eine ER-Musick-Vatter-Sippung in der Sippungsfolge – in der Winterung a. U. 166/167 war das der 22. Eismond. Ein Reych, das den größten Sohn seiner Gegend einmal im Jahr aufruft, hält damit auch die Verbindung zum Ort.

Und der Straßenname dazu

Die Musik hört an der Burgpforte nicht auf. Die Straße, in der die Burg steht, ist nach Friedrich Chrysander (1826–1901) benannt, dem Begründer der wissenschaftlichen Händel-Forschung. Chrysander hatte seit 1866 seinen Wohnsitz in Bergedorf und starb dort. Von den fünfundneunzig Bänden der ersten Händel-Gesamtausgabe hat er zweiundneunzig selbst fertiggestellt und die Notenplatten überwiegend auch selbst gestochen – eine Lebensleistung, für die andere ein Institut gebraucht hätten.

Ein Reych, dessen Burg in der Straße eines Händel-Herausgebers liegt und dessen Ehrenschlaraffe einen Steinwurf entfernt getauft wurde, hat es mit der Musik also nicht nur im Ritual.

Die Angaben zu Leben und Werk Johann Adolph Hasses und zu Friedrich Chrysander folgen öffentlich zugänglichen Darstellungen, darunter Beiträge zum Bergedorfer Geburtshaus und zum Hasse-Archiv. Die Erkürung zum Ehrenschlaraffen und die jährliche ER-Musick-Vatter-Sippung sind in schlaraffischen Quellen belegt – im Kalender des elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchivs und in der Sippungsfolge des Reyches; eine nicht-schlaraffische Quelle dazu ließ sich nicht finden. Wer zur Erkürung Näheres beitragen kann – etwa den Anlass oder die künstlerischen Beiträge dieses Abends –, möge sich bitte melden.

Zusatzseiten

Die Hubertusburg Der Musick-Vatter

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