In der Chrysanderstraße 142/144 in Hamburg-Bergedorf geht es hinter einer Fußgängerbrücke eine Treppe hinunter, und dann steht man vor der Burgpforte eines Schlaraffenreyches. Unter derselben Anschrift verzeichnet die Industriekultur-Dokumentation der Metropolregion Hamburg den Eiskeller der alten Bergedorfer Brauerei – gewaltige zweigeschossige Backsteingewölbe im Geesthang, in denen im 19. Jahrhundert das Eis aus den Brauereiteichen an der Bille lagerte. Diese Seite erzählt beides: was an diesem Ort war, und was dort heute ist.
Bergedorf und sein Bier
Bergedorf war eine Bierstadt. Neun Brauereien zählte der Ort in seiner besten Zeit, und das Wasser der Bille galt zum Brauen als besonders geeignet. 1863 entstand auf einem bis dahin unbebauten Gelände zwischen der gerade fertiggestellten Bahnlinie Hamburg–Berlin und dem Fluss die Actien-Bier-Brauerei zu Bergedorf. Die Lage war kein Zufall: der Fluss für das Wasser, die Bahn für den Versand, der Geesthang für die Keller.
Denn gekühlt wurde mit Eis. Leistungsfähige Kühlmaschinen gab es erst um 1900; bis dahin legte eine Brauerei Teiche an, ließ sie im Winter zufrieren, schnitt das Eis in Blöcke und lagerte es in tiefen, dickwandigen Gewölben ein. Drei solche Brauereiteiche gehörten zur Bergedorfer Brauerei, und sie liegen noch heute an der Bille. Das Eis kühlte nicht nur die eigenen Lagerkeller – es wurde auch an Gasthäuser verkauft.
„Bergedorf Lager Beer“
1874 übernahm die Vereinsbrauerei der Hamburg-Altonaer Gastwirte den Betrieb, und unter ihr bekam das Bergedorfer Bier einen Namen, der bis nach Australien und Südamerika reichte: das „Bergedorf Lager Beer“. Zwischen 1880 und 1888 holte es Preise in Melbourne, Caracas, Amsterdam, London und Barcelona. 1887 war das größte Jahr – mit 75 Mitarbeitern und 38.785 Hektolitern gehörte die Brauerei zu den größten im Raum Hamburg.
- 1863/64 – Gründung und Eröffnung der Actien-Bier-Brauerei zu Bergedorf
- 1874 – Übernahme durch die Vereinsbrauerei der Hamburg-Altonaer Gastwirte
- 1880 bis 1888 – Auszeichnungen für das „Bergedorf Lager Beer“ auf fünf internationalen Ausstellungen
- 1887 – 75 Mitarbeiter, 38.785 Hektoliter
- 1914 – die Holsten-Brauerei kauft die Konkurrenz und stellt die Produktion ein
- 1950 bis 1981 – in einem Teil der Gewölbe betreibt ein Wirt Weinstuben
- 1965 – die Brauereigebäude brennen ab
- 1984 – über der Anlage entsteht eine Wohnanlage
Vom Brauereibetrieb blieben damit zwei Dinge übrig: die Teiche an der Bille und die Eiskeller im Hang.
Das VI. Quellreych des Uhuversums
Im Uhuversum – so nennen Schlaraffen die Gesamtheit ihrer Reyche – gibt es eine kleine Gemeinschaft von Reychen, die etwas gemeinsam haben: Sie sippen in Burgen, die einmal zu einer Brauerei gehörten. Sie nennen sich Quellreyche. In einer Verlautbarung „Gegeben im Erntemond a. U. 160“ – der Erntemond ist der August – hat sich das Reych „Im Sachsenwald“ als VI. Quellreych in diese Reihe gestellt. Elf Reyche führt die Liste; als elftes wird Brunsviga in Braunschweig geführt.
Praktische Folge: Im Ausschank der Hubertusburg steht wieder Bergedorfer Bier.
Der Weg zur Burgpforte
Die Burg liegt im Geesthang über einer Schleife der Bille. Wer mit Bus und Bahn kommt, nimmt die S-Bahn bis Bergedorf und von dort die Buslinie 135 bis zur Haltestelle Hermann-Distel-Straße. Wer fährt, sucht einen Parkplatz in der Nähe von Hermann-Distel-Straße, Ecke Daniel-Hinsche-Straße und benutzt die Fußgängerbrücke über die Eisenbahn. Danach rechts die Treppen hinunter bis zum ersten Treppenabsatz, dann links etwa fünfzig Meter bis zur Burgpforte. Ein Treppenlift ist vorhanden.
Es ist also kein Vereinszimmer über einer Gaststube, sondern ein Gewölbe. Gesippt wird donnerstags, Beginn um Glock 7 und 30 Uhuglöckchen des Abends – 19:30 Uhr; die Burg öffnet eine Stunde vorher.
Und der Name?
Warum die Burg Hubertusburg heißt, sagt die Überlieferung des Reyches nicht. Naheliegend ist der heilige Hubertus, der Schutzpatron der Jäger: Das Reych trägt einen grünen Jägerhut mit goldenem Federbusch, es sitzt am Sachsenwald, und vom Reinbeker Schloss aus wurden einst Parforcejagden in diesen Wald geritten. Ein Beleg ist das nicht, nur ein guter Zusammenhang.
Die Angaben zur Brauerei und zu den Eiskellern folgen der Industriekultur-Dokumentation der Metropolregion Hamburg, der Darstellung des Vereins Unter Hamburg e. V. und einem Beitrag über das Bergedorfer Bier; die schlaraffischen Angaben stammen aus den Verlautbarungen des Reyches. Offen ist dabei die wichtigste Frage: Welcher Teil der Gewölbe an der Chrysanderstraße die Burg ist und seit wann, ist öffentlich nicht dokumentiert, und wir behaupten es auch nicht. Belegt ist die gemeinsame Anschrift und die Selbstbezeichnung des Reyches als Quellreych; alles Weitere zum Verhältnis von Burg und Eiskeller müsste das Reych aus seinen eigenen Unterlagen sagen. Auch ein Denkmalschutzstatus für die Gewölbe ließ sich nicht nachweisen. Wer dazu etwas beitragen kann, möge sich bitte melden.