Die Kultur des Schlaraffenreychs Im Sachsenwald aus Reinbek ist selbst gemacht: Donnerstags tragen die Mitglieder in der Hubertus-Burg, einem alten Brauereigewölbe in Hamburg-Bergedorf, eigene Gedichte, Vorträge und Lieder vor, greifen zur Trompete und messen sich in Turneys. Gäste hören zu, Beginn ist um 19.30 Uhr.
Trommelschlag und Fanfare
In diesem Reych beginnt die Kleinkunst mit Blech. Nach Trommelschlag und Fanfare schallt durch das Gewölbe der Reychsruf „Ein Ruf durchs Uhuversum schallt, es ist so schön Im Sachsenwald“, und wer ihn einmal gehört hat, ahnt, dass Musik hier kein Beiwerk ist. Seit a. U. 127 gibt es eigene Reychsbläser; im zweiten Anlauf wuchs die Gruppe auf fünf Musiker und hat im nordischen Sprengel einen Namen. Folgerichtig wird um eine güldene Trompete gewetteifert, und mitmachen darf, wer ein Blasinstrument spielt. Sogar ein Wort hat das Reych dem ganzen Bund geschenkt: Ritter Esilva schlug vor, Akkordeon und Bandoneon schlaraffisch Aerocimbel zu nennen.
Ein Komponist aus der Nachbarschaft
Wenige hundert Meter von der Burg entfernt steht das Geburtshaus Johann Adolph Hasses, der 1699 in Bergedorf getauft wurde und als Kapellmeister in Dresden mehr als sechzig Opern schrieb. Das Reych hat ihn zum Ehrenschlaraffen mit dem Titul Musick-Vatter erkoren und widmet ihm jede Winterung eine eigene Sippung, bei der Gäste und Sassen ihr Können zeigen. Auch die Straße der Burg ist musikalisch getauft: Friedrich Chrysander, nach dem sie heißt, hat zweiundneunzig Bände der ersten Händel-Gesamtausgabe fertiggestellt. Und einmal spielte das Allschlaraffische Sinfonieorchester in den Gemarkungen des Reychs. Mehr dazu erzählt die Seite Der Musick-Vatter.
Keiler, Klabautermann und Minnesang
Gedichtet wird in der Hubertus-Burg gern mit Auftrag. Beim Keilerturney lieferte das Stichwort eine gereimte Warnung vor der Wildschweinrotte im Garten, beim Turney um die Goldene Bootsmannspfeife sitzt der Klabautermann in den Rahen, und beim Minnesangturney hören die Burgfrauen zu. Dazwischen gibt es Abende, an denen alle die Rostra stürmen, das schlaraffische Rednerpult, und solche, an denen jeder vorträgt, was er will. Manche Themen holen Vergessenes hervor, etwa lange nicht gehörte Fechsungen oder Stücke aus dem Fundus; andere werden persönlich, wenn jeder sein Wappen erklärt oder Gedanken zu seinem Paten vorträgt. Dass Wortwitz hier Tradition hat, beweist die Junkertafel: Sie gewann einst das Turney um den Firlefanz-Humpen und durfte sich zwei Jahrungen lang beste Junkertafel des Uhuversums nennen.
Kultur zwischen Schloss und Eiskeller
Die Gegend pflegt ihre Kultur gern in historischen Mauern. Reinbek hat sein Schloss, zwischen 1572 und 1576 für Herzog Adolf I. errichtet, Bergedorf das Hasse-Archiv im Geburtshaus des Komponisten. Die Schlaraffen halten es mit dem Keller: Ihre Burg liegt in den Gewölben einer 1863 gegründeten Brauerei, in denen einst Eis lagerte. Dort entsteht Kleinkunst, die man nirgends nachhören kann, weil sie nur an diesem einen Donnerstag erklingt.
Zuhören zuerst
Als Gast müssen Sie nichts vorbereiten. Wer mag, hört an den ersten Abenden nur zu, wer ein Instrument spielt, wird vermutlich bald gefragt. Die Stichworte der kommenden Donnerstage stehen unter Veranstaltungen, Antworten zu Anmeldung, Weg und Kosten in den häufigen Fragen. Wie die Schlaraffen insgesamt ticken, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Schlaraffia für Erstbesucher.
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